Frühlingserwachen 2026 - mit einer kleinen Hommage an den Sprecher Hans Mosser
- helga052
- 26. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Wo das Frühlingserwachen zu einem Fest der Stimmen wird, und alte wie neue Volkslieder in die schönste Jahreszeit begleiten, darf man sich gewiss über einen gelungenen Liederabend freuen.

So geschehen am 20. März 2026 im Grazer Minoritensaal. Die „Kärntner in Graz“ unter der wunderbaren Leitung von Stefan Gruber und das Zlaner Quartett füllten Bühne und Saal mit heimatlichen Klängen. „S‘ Hearzle im Fruahjahr“, komponiert von unserem Bassisten Albert Zenkl, und „Lei mei anzige Liab“ (H. Preissegger) erzählten ebenso von der Liebe wie in „Dekle na vrtu“, in dem das Mädchen dem jungen Burschen ein Sträußchen bindet, um ihm ihre

Zuneigung zu zeigen. Fröhlich, traurig und bisweilen ans Melancholische grenzend kehren die Lebensthemen im Gesang wieder: „Wann de Freid drübawaht, wiar a wundersams Liad, is vagessn da bittare Toad“.
Das Nasereit Trio sorgte zwischen den einzelnen Liedblöcken für flotte, instrumentale Abwechslung. Mit Polka und jugendlichem Elan sauste frischer Wind in den Saal, ehe der uns seit vielen Jahren vertraute Sprecher Hans Mosser mit eigenen und zusammengetragenen Gedanken wieder zum Kärntnerlied hinführte.

Seit 1999 prägt Hans Mosser diesen Kärntner Liederabend mit seiner Präsenz. Viele langjährige Besucher freuen sich jedes Jahr auf seine verbindenden Worte zwischen den musikalischen Darbietungen. Doch werfen wir einen Blick auf den Menschen hinter der angenehm erzählenden Stimme.


Geboren im Bleiberger Tal, knapp nach dem Krieg, wurde Hans Mosser das Lied sozusagen in die Wiege gelegt. Die Mutter, die als Hausfrau – wie es damals noch selbstverständlich üblich war - das Leben daheim organisierte und drei Buben aufzog, war für Hans der musikalische Start ins Leben. Sie war offenbar eine hervorragende Sängerin und so bekam der Bub schon früh ein reichhaltiges Repertoire mit auf den Weg - von Schubertliedern bis zum Kärntner Volkslied. Auch über den Vater, der wie die meisten Männer des Tales im Bergbau arbeitete, erfuhr der kleine Hans das Lied als Teil der Bergarbeiterkultur.
Im Elternhaus und unter den Bergbauleuten, die sich schon früh politisch und gewerkschaftlich organisierten, war die sozialistische Idee vom Menschen sehr präsent:
Im Mittelpunkt stand die Emanzipation des Menschen – egal ob Mann oder Frau - und vor allem die Bildung. Schon früh hörte der kleine Hans politischen Diskussionen zwischen seinem Vater und den älteren Brüdern zu: Man hat über Stundenlöhne, Machtverhältnisse, Gerechtigkeit und Solidarität gesprochen und wie viele Parallelen es dazu in der Bibel gibt, wie etwa in der Bergpredigt.
So erlebte Hans Mosser eine behütete Kindheit, eingebettet in Kreuth bei Bleiberg, in einem Tal, das den Winter über keine Sonne und sowieso immer steil nach oben, in den Himmel sah. Die schneereichen Winter waren für die Kinder ein Segen. Viele Nachmittage lang verbrachte man mit den Schiern an den Hängen, oft bis in den April hinein. Ebenso wichtig war das Fußballspielen das restliche Jahr über. Verständlich, dass Hans unbedingt Sportler werden wollte.
Doch schon in einem der ersten Aufsätze in der Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt, wohin er mit 14 Jahren nach der Hauptschule kam, schrieb er: „Es war schon immer mein Wunsch, Lehrer zu werden“. Natürlich Sportlehrer - und ein paar Nebenfächer, vielleicht… Es sollte jedoch anders kommen. Damals, in den 1960er-Jahren, dauerte die Ausbildung in der Lehrerbildungsanstalt noch fünf Jahr, bevor man mit 19 Jahren Volksschullehrer wurde. Bald verlagerte sich Mossers Schwerpunkt auf die Musik; eine Pädagogin wurde prägend für ihn. Sie erkannte früh sein musikalisches Talent und die schöne Stimme des Schülers.

Während des Beginns als Volksschullehrer startete Hans Mosser auch im Madrigalchor unter der Leitung von Günther Mittergradnegger. Der damals bereits berühmte Chor stand allen Genres der Chormusik und erwartete den jungen Mann mit großer Literatur. So blieb er von 1965-1983 in diesem Gesangsverein. Viele Reisen in alle Welt – nach Mexiko, in die damalige Sowjetunion und in einige Länder Europas – sowie die Möglichkeit, als Lehrer unterm Schuljahr teilnehmen zu können, beeindruckten ihn nachhaltig. Das Land Kärnten unterstützte diese Chorreisen großzügig; als Botschafter des Landes leistete der Madrigalchor wichtige Kulturarbeit und wurde entsprechend gefördert. Für Hans Mosser war diese Offenheit für vielen Musikrichtungen und allen Menschen sehr prägend.
Als jungen Lehrer verschlug es ihn zunächst nach Auerling, einem kleinen Ort auf der Packalpe. Doch nur kurz, denn bald schon rief das Militär. Anschließend wurde der spätere Sprecher des Frühlingserwachens an die Griffner Volksschule versetzt. Dort übernahm er gleich den örtlichen Chor, dem er bis heute verbunden ist. Sechzig Jahre sind inzwischen vergangen und sein schöner Bass bereichert weiterhin den Gemischten Chor Griffen, zuletzt wieder bei einem Konzert alter Marienlieder.

Anfang der 1970er-Jahre, als die Klagenfurter Uni eröffnet wurde, studierte Hans dort Germanistik, Philosophie und Pädagogik. Danach unterrichtete er an der HAK in Völkermarkt und fand rasch Bereiche, die Schüler und Schülerinnen neben der wirtschaftlichen Ausbildung auch ansprechen konnten. So gründete er 1979 den ersten Schulchor. Weitere Projekte im bildnerischen und literarischen Bereich sowie kulturübergreifende Initiativen im Raum Alpe-Adria oder Schulpartnerschaft mit Gradec wurden von vielen Jugendlichen mit Freude aufgenommen und brachten wohltuende Balance in den nüchternen Schulalltag einer Handelsakademie.
„Ich bin immer gern mit Menschen zusammen gewesen. Schon in der Arbeitersiedlung in Kreuth hat es mir getaugt, mit vielen Kinder gemeinsam zu spielen. Der Mensch stand und steht für mich im Mittelpunkt“, erzählt Hans Mosser. Dass sein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen der Heranwachsenden geschätzt wurde und es für ihn erfüllend war, wenn die SchülerInnen ihm vertrauten, ist aus verlässlichen Quellen bekannt.
Als junger Lehrer lernte er seine Frau kennen und von Anfang an verband die beiden das Singen, die Kunst und Kultur, die Schule und der Sport. Auch sie war Pädagogin und bald beschlossen Waltraud und Hans, eine Familie zu gründen. Die beiden Söhne Bernd und Mark entdeckten ebenso die Liebe zur Musik wie auch zum Sport und bereichern heute mit ihren Familien das Leben von Hans. Steaks müssen einmal in der Woche auf den Tisch - darauf freuen sich die Enkel - und der Opa verwöhnt die Kinder gerne. Nach dem Heimgehen seiner lieben Frau vor kurzer Zeit hält er weiter daran fest, dass die Nähe zu den Menschen das ist, worauf es im Leben ankommt. Und man spürt es, mit jedem Satz, jedem liebevollen Gedanken, den er seinem Gegenüber mitgibt.
Wie fand Hans Mosser nun zum „Chor der Kärntner“? 1999 trat Traudi Wallner, eine der Initiatorinnen vom „Fest der Stimmen“ in Graz an ihn heran. Auf seine sonore Stimme aufmerksam geworden lud sie ihn ein, als Sprecher des alljährlichen Konzerta des Kärntner Chores mitzuwirken.
Für den Sprecher ist das Kärntnerlied ein deutsches und ein slowenisches zugleich, eine Melodie, die in beiden Sprachen gesungen wird. Es gibt mehr als 100 Parallelen zwischen dem slowenischen und dem deutschen Lied, wie ein befreundeter Musikethnologe feststellte. In beiden findet sich die gleiche, slawisch geprägte Melodie wieder. Nicht zu reden von der sich ständig wiederholenden Thematik: Liebe, Sterben, Tod. Leider sei das Kärntner Liedgut vielfach national besetzt, vor allem im Südkärntner Raum. Hans Mosser meint, dass damit oft auch über die Köpfe der Menschen hinweg nationale Politik betrieben wurde.
Doch für den Sänger ist die Anerkennung, Sympathie, Achtsamkeit, und der Respekt für die slowenisch sprachige Bevölkerung sehr wichtig und dies versuchte er, so gut es geht, seit vielen Jahre in seinem Chor zu leben. „Sobald du nur ein Lied singst, zeigt du, diese Gruppe wird akzeptiert.“
Als Hans Mosser als Chorleiter 1979 bei einem Adventkonzert „Čakali“ – das slowenische Neujahrslied – aufführte, war wider Erwarten keine Auspfeifen die Antwort, keine Kritik, sondern eine stille, und vielleicht daher berührende Annahme des Liedes im Raum spürbar. „Das i dås noch amål …“, war der einzige Kommentar einer alten Frau.
Die seit längerem stattfindende Öffnung in Kärnten hin zu seinen slowenisch sprechenden Landsleuten ist wichtig, weil dies ein wesentlicher Teil der Kultur ist. Das Kärntnerlied ist ein zweisprachiges Lied.

Viele ältere Radiohörer kennen Hans Mosser als freien Mitarbeiter beim ORF Kärnten. Dreißig Jahr lieh er seine Stimme vielen Hörspielen, der „Jagastund“ und der „Redaktion Ratschbergpost“. Auch im Rundfunkchor sang er lange Zeit mit und lernte dabei sehr moderne, avantgardistische Literatur kennen. Und immer wurde er in seiner Gesangstätigkeit von seiner Ehefrau unterstützt, die selbst Chorsängerin war.
Wie sich der Sprecher unseres Frühjahrskonzertes auf seine Rolle vorbereitet? Zuerst durchforstet er das Programm, dann assoziiert er mit den Liedern Gedanken, Gedichte, Texten - alles, was ihm so einfällt und dies immer mit Blick auf die Kärntner Kultur.
Hans Mossers Leitmotiv bleibt: „Wir bewegen uns in Kärnten nicht zwischen den Kulturen, sondern in einer Kultur.“ Und dies wird er nicht müde, den Menschen zu vermitteln. Ob du nun „Durchgehst durchs Tal“ oder das Herz traurig ist („Srce je žalostno“), die wohlwollenden und klaren Worte Hans Mossers verbinden Menschen und Musik bei jedem „Frühlingserwachen“ aufs Neue.
Text: Ingeborg Meisenberger
Fotos: Chor der Kärntner in Graz





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